Donnerstag, 15. Juni 2017

Das bescheidene Fronleichnamsfest

In unserer Pfarrgemeinde gibt es vier Kirchen und Filialgemeinden, In allen Kirchorten findet (noch) eine Fronleichnamsprozession statt. Doch diejenigen, die noch mit feiern, werden immer weniger. So prunkvoll die Feste auch gestaltet werden, so bescheidener werden sie.

Dieser Gedanke bedrückte mich heute, als ich unsere Kirche betrat. Zog man die Leute ab, die in irgendeinerweise am Fest beteiligt waren, die zahlreichen Fahnenträger, Mess- und Altardiener, Baldachinträger, die Kommunionkinder mit ihren Eltern, der Musikverein und Chor war es nur ein kleines Häuflein an Gläubigen, die noch am Fest teilnahmen. Dabei ist Fronleichnam ein Hochfest unserer Kirche.

Wir feiern, dass Christus uns im Allerheiligsten Sakrament gegenwärtig ist. In Niedersachsen ist Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag, es ist ein ganz normaler Arbeitstag. Das ist sicher auch ein Grund dafür, dass nur wenige Menschen noch abends an der Messe und Prozession teilnehmen möchten. In einigen Filialgemeinden zieht die Gemeinde schon am Mittwochabend vor Fronleichnam durch ihr Dorf. Warum macht man das nicht alles zusammen in einer Kirche, fragte ich mich, dann wäre sie vielleicht voll, und das Fest würde an Prunk gewinnen.

Ich brachte dies im Gebet vor den Altar und bekam in der Predigt eine Antwort. Fronleichnam sei in in seinem Wesen ein sehr bescheidenenes Fest, predigte unser Pfarrer, Denn der allmächtige herrliche Gott verwandle sich in unscheinbares Brot, um uns Menschen nahe zu kommen. Er, dessen Begegnung wir in seiner Allmacht, Herrlichkeit und Größe nicht ertragen könnten, werde uns zur Nahrung, um uns zu stärken., erklärte uns der Priester. Niemand könne dieses Wunder begreifen, niemand könne erklären, wie Christus zu Brot wird. Niemand könne von sich behaupten, dass er Gott im Brot erkenne und ganz erfasse. Wir könnten nur gläubig dieses Wunder annehmen, weil Christus uns selbst dies offenbart hat. dieser Glaubenwahrheit könnten wir nur selber sehr bescheiden und demütig uns verneigen und Gott dafür danken.
26Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib.
27 Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus;
28 das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. (Matthäus 26, 26 ff)
Das Fronleichnamsfest sei eine Provokation für unsere Gesellschaft, in der jeder meint, ohne Gott auszukommen und alles aus eigener Kraft zu erreichen. Diesen Gedanken nahm ich mit mir, als wir mit unserer kleinen Gruppe mit dem Allerheiligsten durch die Straßen an die vier Stationen mit festlich geschmückten Altären zogen, an denen niemand mehr von uns Notiz nahm. Wie wichtig ist es, dass der eucharistische Herr an diesen Orten erscheint, wo die Menschen Gott vergessen haben. Insofern sollten die Prozessionen in allen Orten stattfinden, solange es irgendwie möglich ist.

Kommentare:

  1. Ein schöner Blog-Artikel. Der Gedanke eines bescheidenen Fronleichnamsfestes gefällt mir. Auch wenn ich es selbst schade finde, dass Fronleichnam oft so wenig Beachtung findet. Vielleicht ist es aber nicht die Masse, nicht das Große, sondern die Innigkeit, die Wirkung zeigt. Für Gott ist alles möglich. ER kann alles wandeln. In kleinen, bescheidenen Prozessionen und in großen Menschenmengen.

    Ich war heute auf einer sehr großen Prozession. Und ehrlich gesagt stressen mich so große Vetanstaltungen doch recht. Gerade da ich in meiner neuen Pfarrei noch nicht wirklich beheimatet und verwurzelt bin. Aus Liebe zu der eucharistischen Liebe die uns Jesus Christus geschenkt hat, bin ich dennoch gerne hingegangen. Manchmal habe ich mich aber doch nach meiner kleinen Heimatpfarrei, wo es viel überschaubarer ist, gesehnt.

    Diesen Gedanken finde ich selbst tröstlich. Vielleicht hilft er ja auch: Es ist schön, dass dieses Fest gefeiert wird. Es ist schön, dass es eucharistische Anbetungen gibt. Und wir bezeugen unsere Verbundenheit zum allerheiligsten Sakrament. Solange wir dass bei der Kommunion, bei Anbetungen und an Fronleichnam tun, wird es nicht sterben. Solange wir dafür beten und solange wir daran glauben, dass durch Jesus alles gewandelt werden kann. Dass Jesus Liebe auch Orte und Menschen, die dieses Sakrament vergessen haben, wieder mit dem Feuer des Glaubens entzünden kann.

    Daher ist es sehr schön zu lesen, dass du/ Sie heute bei der Prozession warst/waren, dass sie noch an allen vier Orten stattfindet und dass ihr mit der Hoffnung unseres gegenwärtigen Gottes durch die Straßen gegangen seid

    Herzlich Sarah

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  2. Liebe Sarah, ich kenne dieses Gefühl auf großen Veranstaltungen fremd und unverwurzelt zu sein. Bei mir war es diesmal komplett umgekehrt. Ich lief mit meinen Chor unter lauter mir vertrauten Sängerschwestern und -Brüder, die mehr oder weniger bei der Sache waren. Da war die Gefahr, vom Gebet und der Andacht sich ablenken zu lassen. Während der Prozession richtete ich immer wieder meinen Blick auf den eucharistischen Herrn und machte mir bewusst, dass er auf jeden einzelnen von uns schaut. Vielleicht hilft dieser Gedanke ein wenig.

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  3. Diasporakatholik23. Juni 2017 um 09:51

    Danke für Ihren mir sehr wertvollen Beitrag zum Fronleichnamsfest.
    Die wiedergegebenen Predigtgedanken Ihres Pfarrers erinnern mich direkt an die Formuliering des 3. Rosenkranzgeheimnisses des sog. Trostreichen Rosenkranzes aus dem alten Berliner Gebetbuch, über das ich zu Ihrem Rosenkranz-Artikel vom 18.10.2016 schrieb.
    So schließt sich für mich ein gedanklicher Kreis.
    Gottes Segen.

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