Mittwoch, 28. Juni 2017

Wenn die Ehe zur Abstimmungssache wird ...

In den letzten Tagen gab es den längst erwarteten Dammbruch. Kanzlerin Merkel hat einer namentlichen Abstimmung über die "Ehe für alle" zugestimmt. Es wird erwartet, dass mit den Stimmen vieler CDU-Abgeordneter die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wird.

Für mich als gläubiger Katholik und CDU-Parteimitglied ist dies eine schwerverdauliche Entwicklung. Schließlich bin ich von einer zumindest noch rudimentär vorhandenen christlichen Grundorientierung der CDU ausgegangen. Der hervorgehobene Schutz der Ehe von Mann und Frau und der Familie gegenüber allen anderen Lebensformen war bislang ein Markenkern einer Christlich Demokratischen Union. Nun fand innerhalb weniger Tage eine 180 Grad Kehrtwendung in der CDU-Politik statt.

Parteiintern rückten immer mehr CDU-Mitglieder, Amtsinhaber in der CDU und CDU-Abgeordnete schon lange still und leise vom ursprünglichen Standpunkt der CDU zu Ehe und Familie ab. Unsere örtliche CDU-Bundestagskandidatin hatte auf dem ->CSD in der hiesigen Kreisstadt sehr viel Spaß und wandte sich in einem Beitrag auf ihrer Facebookseite launig gegen "einen verklemmten und verbissenen Rechtspopulismus" und für "eine offene und tolerante Gesellschaft ", was immer sie damit meinen mag. Meine Rückfrage, ob sie denn für die "Ehe für alle" sei, beantwortete sie mir nicht. Sie fügte ihrem Beitrag Bilder von der Veranstaltung der Homoszene unserer Region, auf denen sie und der Vorsitzende unseres CDU-Kreisverbandes sich bestens amüsierten.

Auch in der CDU gibt es viele Geschiedene, Patchworkfamilien und last but noch least die ->LSU (Lesben und Schwule in der Union), die schon lange die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare fordert. Vielen CDU'lern ist das Thema "Ehe" entweder nicht so wichtig oder gar sogar so unangenehm, dass sie es am liebsten unter dem Tisch kehren möchten. "Wenn sie es unbedingt wollen, die Homos, dann lasst ihnen doch die Ehe", denken viele, auch wenn die wenigsten von ihnen selbst eine Homopartnerschaft eingehen würden. Die Gegner der "Homoehe" haben sich zurückgezogen, oder haben sich längst aus der CDU verabschiedet. Innerhalb der CDU gab es nie eine ernsthafte Diskussion über dieses so wichtige Thema. Die Parteileitung gab die Richtung vor. Und zuletzt einfach die Kehrtwendung.

Dabei ist Ehe und Familie eine entscheidende Frage, wie das Leben im 21. Jahrhundert gestaltet werden wird. Die Entscheidung für die "Ehe für Alle" signalisiert, dass es zur Mehrheitsentscheidung wird, wer zur Ehe zugelassen wird oder nicht. Denkbar wären auch Kinder- oder Vielehen, wenn die Moralvorstellungen in der Bevölkerungsmehrheit sich ändern. Diese Formen sind in unserer Zeit noch genauso indiskutabel, wie die Homoehe es zur Zeit meiner Kindheit noch war. In anderen Ländern sind Kinderheiraten und Mehrehen durchaus üblich. Je mehr wir uns zur multikulturellen Gesellschaft entwickeln, desto mehr werden diese Themen auf die Tagesordnung gehoben werden.

Wie gehe ich als Christ und CDU-Parteimitglied mit der aktuellen Lage in der Partei um? Das ist keine leichte Frage. Viele enttäuschte Christen haben die CDU bereits verlassen. Sie haben damit allerdings weder die Entchristlichung in unserer Gesellschaft noch der CDU-Politik aufhalten können. Andere sind geblieben. Ihr Einfluss sank in der Partei zunehmend. Aber sie sind noch Teil in der CDU. und können innerhalb der Partei Impulse setzen. So sehr man mit der Entwicklung der CDU enttäuscht ist, darf man ihre wichtige Rolle in unserer Gesellschaft nicht vernachlässigen. Ich kann den Austritt von Konservativen aus der CDU wegen ihrer Profillosigkeit durchaus nachvollziehen. Allerdings nicht verstehen kann ich eine Hinwendung zur rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen AfD. Sie ist keine Alternative, denn sie basiert auf gar keinem christlichen Fundament.

Umso wichtiger ist die Rolle der katholischen Kirche, die an der christlichen Ehe und Familie von Vater, Mutter und Kinder festhält. Sie ist ein Gegenpol zu einer Gesellschaft, die immer mehr an Orientierung verliert. Ihre Aufgabe ist es, die Bedeutung der christlichen Ehe und Familie in unserer Gesellschaft neu aufleuchten zu lassen.

Aus meinem Blog: ->Warum ich als Single gegen die "Homo-Ehe" bin

Donnerstag, 15. Juni 2017

Das bescheidene Fronleichnamsfest

In unserer Pfarrgemeinde gibt es vier Kirchen und Filialgemeinden, In allen Kirchorten findet (noch) eine Fronleichnamsprozession statt. Doch diejenigen, die noch mit feiern, werden immer weniger. So prunkvoll die Feste auch gestaltet werden, so bescheidener werden sie.

Dieser Gedanke bedrückte mich heute, als ich unsere Kirche betrat. Zog man die Leute ab, die in irgendeinerweise am Fest beteiligt waren, die zahlreichen Fahnenträger, Mess- und Altardiener, Baldachinträger, die Kommunionkinder mit ihren Eltern, der Musikverein und Chor war es nur ein kleines Häuflein an Gläubigen, die noch am Fest teilnahmen. Dabei ist Fronleichnam ein Hochfest unserer Kirche.

Wir feiern, dass Christus uns im Allerheiligsten Sakrament gegenwärtig ist. In Niedersachsen ist Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag, es ist ein ganz normaler Arbeitstag. Das ist sicher auch ein Grund dafür, dass nur wenige Menschen noch abends an der Messe und Prozession teilnehmen möchten. In einigen Filialgemeinden zieht die Gemeinde schon am Mittwochabend vor Fronleichnam durch ihr Dorf. Warum macht man das nicht alles zusammen in einer Kirche, fragte ich mich, dann wäre sie vielleicht voll, und das Fest würde an Prunk gewinnen.

Ich brachte dies im Gebet vor den Altar und bekam in der Predigt eine Antwort. Fronleichnam sei in in seinem Wesen ein sehr bescheidenenes Fest, predigte unser Pfarrer, Denn der allmächtige herrliche Gott verwandle sich in unscheinbares Brot, um uns Menschen nahe zu kommen. Er, dessen Begegnung wir in seiner Allmacht, Herrlichkeit und Größe nicht ertragen könnten, werde uns zur Nahrung, um uns zu stärken., erklärte uns der Priester. Niemand könne dieses Wunder begreifen, niemand könne erklären, wie Christus zu Brot wird. Niemand könne von sich behaupten, dass er Gott im Brot erkenne und ganz erfasse. Wir könnten nur gläubig dieses Wunder annehmen, weil Christus uns selbst dies offenbart hat. dieser Glaubenwahrheit könnten wir nur selber sehr bescheiden und demütig uns verneigen und Gott dafür danken.
26Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib.
27 Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus;
28 das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. (Matthäus 26, 26 ff)
Das Fronleichnamsfest sei eine Provokation für unsere Gesellschaft, in der jeder meint, ohne Gott auszukommen und alles aus eigener Kraft zu erreichen. Diesen Gedanken nahm ich mit mir, als wir mit unserer kleinen Gruppe mit dem Allerheiligsten durch die Straßen an die vier Stationen mit festlich geschmückten Altären zogen, an denen niemand mehr von uns Notiz nahm. Wie wichtig ist es, dass der eucharistische Herr an diesen Orten erscheint, wo die Menschen Gott vergessen haben. Insofern sollten die Prozessionen in allen Orten stattfinden, solange es irgendwie möglich ist.