Donnerstag, 24. September 2015

Kardinal Marx: Verbloggung führt zur Verblödung

In den letzten Monaten hörten wir, dass in der katholischen Kirche einige Initiativen unternommen werden (sollen), das Internet für eine zeitgemäßere Kommunikation mit den Menschen zu nutzen. Immer mehr Menschen nutzen das Internet nicht nur zum Konsum sondern auch um sich selbst eine "Stimme" zu geben. Unter anderem in eigenen Blogs. Umso erstaunter bin ich, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, auf eine Frage, wie sich die Kirche gegenüber "fundamentalistischen Seiten" verhalten wolle, ein totales Desinteresse an anderen "katholischen" Seiten und Blogs offenbarte.

"Ich kenn' das nicht, diese Blogs," antwortete er, "vielleicht ist das nicht richtig, aber das lass ich gar nicht an mich heran".  Er habe früher gedacht, wenn alle mit allen über alles reden würde, das würde den Diskurs verlebendigen, aber das Gegenteil sei eingetreten. "Diese Verbloggung führt auch zur Verblödung, manchmal", brachte er seine Haltung auf den Punkt.



Ich finde es sehr traurig, wenn man die gesamte Blogözese aufgrund von Unkenntnis mit einem Federstrich disqualifiziert und somit einen Diskurs von der eigenen Seite aus abbricht. Natürlich kann man nicht bestreiten, dass es auch Websites und Blogs gibt, die den Namen "katholisch" zu Unrecht tragen, das will ich nicht bestreiten. Aber es gibt auch andere private Angebote, die die den Glauben der katholischen Kirche durchaus überzeugend verbreiten. Besser oft als offizielle Angebote der deutschsprachigen Kirche. Häufig finden wir auf solchen Internetportalen Beiträge, die das Lehramt der Kirche sowie auch Glaubenswahrheiten und -traditionen offen infrage stellen und eher zur Verwirrung als zur Verbreitung des katholischen Glaubens beitragen.

In diesem Zusammenhang würde ich den Kardinal gerne einladen, sich an den früheren Bischof von Münster Heinrich Tenhumberg zu erinnern, dessen 100. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern konnten. Wie kein anderer setzte er sich für die Freiheit der Medien ein. Er sprach sich für eine Öffnung der Kirche zur Welt aus und gegen eine Einengung der Medien auf den kirchlichen Dienst aus. Leider führte dieses zur Tendenz, dass heute offizielle katholische Medien sogar auf ihren eigenen Plattformen Inhalte verbreiten, die zunehmend in Widerspruch zur traditionellen Glaubenslehre der Kirche sind. Mich würde interessieren, wie Bischof Tenhumberg heute über die Lage der katholischen Medienwelt denken würde. Und was er auf die Behauptung von Kardinal Marx erwidern würde, Blogs würden zur Verblödung beitragen. Zur Freiheit der Medien gehören auch katholische Blogs, die heute unzweifelhafter Teil der Medien- und Meinungsvielfalt in Kirche und Gesellschaft sind. Und dies auch wenn dies offiziell etablierten Medien in der Kirche nicht gefällt.

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